Christen in der Türkei

Gibt es Kirchen in der Türkei?

Das Christentum in der Türkei

? Hagia Sophia – im Mittelalter weltweit größte Kirche – in osmanischer Zeit Moschee und seit Republikgründung Museum ** >

Von den Befürwortern zum Bau von Moscheen im christlich geprägten Abendland wird stets das Argument ins Feld geführt, es gebe schließlich auch Kirchen in der Türkei. Tatsächlich trifft das zwar de facto zu, doch nur die von dem aufgeklärten ersten Präsidenten der modernen türkischen Republik,? Mustafa Kemal Atatürk, nach dem Ersten Weltkrieg durchgesetzte Trennung von Religion und Staat hat noch Schlimmeres verhindert, so daß viele Kirchenbauten oft wenigstens in ruinösem Zustand erhalten blieben. In wenigen werden sogar Gottesdienste abgehalten und hin und wieder lassen auch mutige Priester Glocken läuten – wowohl dies verboten ist.

Doch die Praxis sieht sonst daneben völlig anders aus: Die Christen in der Türkei sind heute eine religiöse Minderheit. Dabei gibt es sie seit etwa 2000 Jahren auf heutigem türkischen Gebiet. Nach Darstellung des Neuen Testaments stammte der Apostel Paulus aus dem Gebiet der heutigen Türkei und führte dort auch einen Großteil seiner Missionstätigkeit durch. Auch in der Apostelgeschichte, den katholischen Briefen und der Offenbarung des Johannes spielen Gemeinden im Gebiet der heutigen Türkei eine zentrale Rolle. Das westliche Kleinasien war die bedeutendste Keimzelle des nichtjüdischen, durch missionierte „Heiden“ entstandenen Christentums im osmanischen Reich und der heutigen Republik Türkei.

Später lebten hier viele der bedeutendsten Kirchenväter. Alle sieben in Ost und West gemeinsam anerkannten Ökumenischen Konzilien fanden ebenfalls auf heute türkischem Boden statt. Dadurch wurde hier das gesamte Christentum des ersten Jahrtausends der christlichen Ära maßgeblich geprägt.

Verbreitung und Anzahl

Die türkischen Christen im anatolischen Teil der damaligen Türkei zählten Ende des 19. Jahrhunderts noch mehr als zwei Millionen (ein Viertel der Bevölkerung auf dem Gebiet der heutigen Türkei) – heute sind es nur noch rund 120.000 Christen, also nicht einmal 0,2 Prozent. Die Türkei hatte im 19. Jahrhundert hunderttausende muslimischer Flüchtlinge (Muhadschir) aufgenommen – Albaner, Bosniaken und Balkan-Türken, die aus den Balkan-Ländern nach der Lossagung vom osmanischen Reich geflüchtet sind. Allein 850.000 muslimische Flüchtlinge wurden in den von armenischen Christen bewohnten Gegenden angesiedelt, dafür wurden ab der Mitte des 19. bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts die meisten Christen aus dem Gebiet der heutigen Türkei vertrieben oder getötet. Die Vertreibung und teilweise Massenermordung von Minderheitsgruppen erfolgte in einzelnen Schritten:

– 1843 wurden durch den kurdischen Stammesführer Bedirxan Beg bei Massakern mindestens 10.000 Armenier und Bergnestorianer in Asita (Hosut) im Sandschak Hakkari ermordet. Frauen und Kinder wurden z. T. in die Sklaverei verkauft.

– 1894-1896 wurden bei ersten antiarmenischen Pogromen 50.000 bis 80.000 armenische Christen ermordet. Die Opfer waren armenisch-apostolische Männer.

– 1909 wurden bei pan-islamischen, antiarmenischen Pogromen in Adana und der Provinz Kilikien 30.000 armenische Christen ermordet.Bis 1910 forderten die anschließenden Epidemien und eine Hungersnot unter den schlecht versorgten Überlebenden der Massaker weitere 20.000 Opfer.

– Während des Zweiten Balkankrieges 1913 wurden die orthodoxen und katholischen Bulgaren aus Ostthrakien und die Bulgaren aus den anatolischen Gebieten vertrieben. Schätzungen der Vertriebenenorganisationen und der bulgarisch-orthodoxen Kirche belaufen sich auf zwischen 60.000 und 400.000 Flüchtlinge.

– 1915-1917 wurden nach unterschiedlichen Schätzungen 300.000 bis 1.500.000 armenische Christen im Osmanischen Reich ermordet. Hunderttausende wurden nach Mesopotamien und Arabien deportiert,zahlreiche starben bei den Deportationen, einige flohen in den russischen Teil Armeniens, weniger als 100.000 lebten nach 1922 im Land.

Ebenso war ab 1915 die Volksgruppe der Aramäer von einem Völkermord betroffen, ein ähnliches Schicksal traf die Pontosgriechen.

– 1922-1923 wurden ca. 1.250.000 griechisch-orthodoxe Christen im Zuge der griechischen Niederlage im griechisch-türkischen Krieg und gemäß dem anschließend vereinbarten Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei nach Griechenland vertrieben. Ausgenommen waren lediglich die griechisch-orthodoxen Gemeinden in Istanbul und auf den Inseln Bozcaada und Gökçeada. Beim Bevölkerungsaustausch wurden auch 500.000 muslimische Türken aus Griechenland in den neuen türkischen Nationalstaat vertrieben. Zehntausende Christen wurden nach der Eroberung der griechischen Gebiete oder bei den Vertreibungen ermordet.

– 1955 verließen nach dem vor allem gegen Griechen gerichteten Pogrom von Istanbul Tausende griechisch-orthodoxe Einwohner die Stadt. Von 110.000 Griechen im Jahr 1923 waren zehn Jahre nach dem Pogrom nur noch 48.000 geblieben.

Die Nachkommen der verbliebenen Christen leben vorwiegend in Istanbul (griechisch-orthodoxe und armenische Christen), im Tur Abdin (meist syrisch-orthodoxe und aramäische Christen) sowie im Südosten in der Provinz Hatay um die altkirchliche Patriarchenstadt Antiochia, dem heutigen Antakya. Diese Provinz war bis in die 1920er Jahre syrisches Gebiet.

Die heute noch etwa 120.000 in der Türkei lebenden Christen konzentrieren sich zu etwa 85 Prozent in der Bosporus-Metropole Istanbul.

Lage und Entwicklung

Menschenrechtsorganisationen wie die ? Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) beurteilen die Behandlung und Situation der türkischen Christen negativ. Entgegen der in der Türkei nach Artikel 24 der türkischen Verfassung geltenden Religionsfreiheit gibt es zahlreiche Beeinträchtigungen, so das staatliche Verbot, Pfarrer und Religionslehrer auszubilden und Behinderungen beim Bau von christlichen Kirchen.

Religiös motivierte Gewalttaten und Attentate auf türkische und ausländische Christen sowie Anschläge auf christliche Gebäude gibt es in der Türkei nach wie vor:
Vertreter der syrisch-orthodoxen Christen in der Türkei haben die Darstellung ihrer Glaubensgemeinschaft in staatlichen Schulbüchern kritisiert. Die Christen werden in Geschichtsbüchern als Landesverräter beschrieben, die aus wirtschaftlichen Gründen aus der Türkei ausgewandert und im Westen „zum Werkzeug der politischen und religiösen Interessen der dortigen Länder“ geworden seien. Vertreter der syrisch-orthodoxen Christen beklagten, dadurch werde die Feindschaft der christlichen Minderheit gegenüber weiter vertieft.

Rechtssituation

Im Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923, der in der Türkei bis heute gilt, wurden den Anhängern von zwei christlichen Konfessionen und des Judentums einige Minderheitenrechte zugesprochen. Demnach sind allerdings nur die Griechisch-Orthodoxe Kirche und die Armenisch-Apostolische Kirche als christliche Konfessionen anerkannt. In der Türkei sind Aramäer als Minderheit nicht anerkannt. Ihre Kultur und Sprache können sie nur versteckt in den Kirchen praktizieren, die Kirchensprache wird heimlich gelehrt. Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker wurde der Lausanner Vertrag mittlerweile durch türkische Gesetze ausgehöhlt, sodass der Gebrauch der Minderheitenrechte kaum noch möglich ist.

Theologie kann von christlichen Studenten nur noch an islamisch-theologischen Fakultäten studiert werden. Pfarrer müssen sich entweder als Diplomaten ausweisen oder türkische Staatsangehörige sein. Bibeln und andere christliche Literatur dürfen auf den Straßen nicht verteilt werden, christliche Straßenfeste und Prozessionen sind verboten, christlichen Rundfunksendern wird grundsätzlich keine Lizenz erteilt. Somit existiert bis in die Gegenwart eine politisch gewollte Diskriminierung von Christen gegenüber Muslimen, die uneingeschränkte Religionsfreiheit genießen.

Zu den weiterhin ungeklärten Problemen zählen die nicht mögliche Ausbildung von christlichen Geistlichen und die anhaltende Schließung des Seminars von Halki und des Heilig-Kreuz-Seminars; der Rechtsstatus der nicht vom Lausanner Vertrag geschützten Kirchen, die lediglich als Vereine von Einzelpersonen existieren, sowie damit zusammenhängend der Erwerb oder Bau und die religiöse Nutzung von Immobilien. Auch die Renovierung alter Kirchen ist durch juristische Schikanen erschwert, Enteignungen von Kirchengütern noch immer Praxis. Trotz Änderungen im Bau- und Vereinsrecht gilt nach Einschätzung von Missio: „Sicher auch mittelfristig nicht möglich sein wird der Bau von Gebetsstätten in Trägerschaft von Kirchen, da die Kirchen keinen Rechtsstatus haben.“ Die evangelischen Christen fordern, dass in der geplanten neuen türkischen Verfassung die Religionsfreiheit gestärkt wird.

Sakralbauten, Kirchen und Klöster

Die Kirche des Apostels Paulus in Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, ist eine Pilgerstätte. Die Kirche, 1943 vom türkischen Staat beschlagnahmt und als Militärlager genutzt, ist heute ein Museum. Eine Rückgabe an die katholische Kirche schließt die türkische Regierung aus. Die katholische Kirche feierte 2008/2009 den Geburtstag vor 2.000 Jahren mit dem Paulusjahr. In Tarsus sind Gottesdienste nur nach Absprache mit der Museumsleitung erlaubt. Im Juni 2008 erlaubte das türkische Kultusministerium, dass die Kirche während des Paulusjahres von Juni 2008 bis Juni 2009 von christlichen Pilgern für Gottesdienste benutzt werden konnte. Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ist bemüht, in Tarsus eine bestehende Kirche zu übernehmen oder eine neue Kirche bauen zu dürfen. Die türkische Regierung habe allerdings auf ihre mündlichen Zusagen keine Taten folgen lassen, er werde die türkische Regierung zu einer klaren Antwort drängen.

Kloster Mor Gabriel der syrisch-orthodoxen Christen im Südosten der Türkei >

Aufgrund von Beschlüssen des türkischen Verfassungsgerichtshofes musste 1970 das Priesterseminar der armenischen Christen in Üsküdar (Heilig-Kreuz-Seminar) den Lehrbetrieb einstellen und im Sommer 1971 das 1844 gegründete griechisch-orthodoxe Priesterseminar von Halki die Pforten schließen.


In ostthrakischen Edirne, wo noch 1873 Bulgaren und Griechen über die Hälfte der Bevölkerung stellten, existieren heute nur noch zwei Kirchen, die in den 2000er Jahren restauriert wurden.Im August 2011 entschied der türkische Ministerpräsident Erdogan durch einen Erlass einigen nichtmuslimischen Minderheiten in der Türkei in der Vergangenheit konfiszierte Immobilien und Sakralbauten zurückzugeben. Das Oberhaupt des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, Bartholomäus I. und Vertreter der Europäischen Union reagierten positiv und begrüßten die Entscheidung als Wiedergutmachung von früherem Unrecht. Die Rückgabe der konfiszierten Immobilien ist eine Forderung der EU in den Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der Europäischen Union. Dieser Erlass gilt jedoch nur für das Ökumenische Patriarchat, für das Armenische Patriarchat und für die Türkischen Juden.

Türme des Klosters Mor Gabriel im Tur Abdin >

Doch die Realität sieht anders aus: Nicht nur, daß die anderen religiöse Gemeinschaften hiervon ausgeschlossen bleiben, auch das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende ? Kloster Mor Gabriel, eines der ältesten christlichen Klöster der Welt, ist bedroht. Mor Gabriel ist Schutzburg und Wallfahrtsort für die syrische Minderheit der Türkei. Das Kloster wurde im Jahr 397 gegründet. Über Jahrhunderte Übergriffen von Türken und Kurden ausgeliefert, steht es zurzeit im Mittelpunkt einer politischen Kampagne. Seit 2008 wird das Kloster Mor Gabriel von drei kurdischen Dörfern wegen „rechtswidriger Ansiedelung“ verklagt. Dem Kloster wird vorgeworfen, dass hier illegal aramäisch unterrichtet wird. Ende Dezember 2008 fand in der nächstliegenden Stadt Midyat ein Gerichtsverfahren um den Fortbestand des Klosters statt, dessen Existenz damit seitens staatlicher Behörden in der Türkei durch Enteignung und Auflösung des Klosterbetriebes bedroht ist. Neue Katasteramts-Registrierungen ermöglichen es angrenzenden Bauern, die bisher keinerlei Grundbuch-Urkunden besitzen, Ländereien des Klosters für sich zu fordern. Die Kläger werden durch lokale Politiker der regierenden AKP unterstützt. Die Europäische Union hatte zu dem Prozess Beobachter entsandt. Doch das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel in Südostanatolien hat den jahrelangen Rechtsstreit gegen das Schatzamt der Türkei verloren. Es geht dabei um fast 28 Hektaren Land. Das türkische Forstministerium hatte dieses gemäss einem Gesetz aus dem Jahre 1950 als Wald definiert, auch wenn es darauf nur Sträucher gibt. Jetzt wird ein Einspruch vor dem Verfassungsgericht oder vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof geprüft.

Nun werde ein Einspruch vor dem Verfassungsgericht oder vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof geprüft, heißt es.
Nun werde ein Einspruch vor dem Verfassungsgericht oder vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof geprüft, heißt es.
Nun werde ein Einspruch vor dem Verfassungsgericht oder vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof geprüft, heißt es.

Internationale Kritik
Die Beseitigung von Diskriminierungen der christlichen Minderheit gehört zu den Forderungen der Europäischen Union in den Beitrittsverhandlungen mit der Türkei an den Beitrittskandidaten Republik Türkei.

Der damalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff rief den türkischen Staat im Oktober 2010 in einer Rede vor dem türkischen Parlament in Ankara auf, die Rechte der Christen im Land zu verbessern und ihnen freie Religionsausübung zu ermöglichen. „Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei“, erklärte Wulff in dieser Rede. In einer Rede zum Tag der deutschen Einheit hatte Wulff wenige Wochen zuvor gesagt, auch der Islam gehöre neben dem Christentum und dem Judentum zu Deutschland. Der Satz, dass das Christentum zur Türkei gehöre, wurde von den Abgeordneten mit „eisigem Schweigen“ entgegen genommen.

Die ? Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) kritisierte Ende 2005, dass sich die Lage der religiösen Minderheiten seit dem EU-Beschluss für Beitrittsverhandlungen eher verschlechtert habe. Unter anderem sei es der Regierung Erdogan auch 2004 nicht gelungen, Angriffe auf Christen und Kirchen zu verhindern. Des Weiteren habe die Türkei einige Zusagen an die christlichen Gemeinden nicht erfüllt. Weiter wird das harte Vorgehen gegen Autoren, Bürgerrechtler und Journalisten verurteilt, die sich um eine Aufklärung des Völkermordes an den Armeniern zu Beginn des 20. Jahrhunderts bemühen.

2006 startete die IGFM einen internationalen Appell unter dem Motto „Türkei: Erst die Christen vertreiben, dann in die EU?“ Darin fordert die IGFM nochmals den EU-Ministerrat auf „angesichts der negativen Entwicklung in der Türkei eine deutliche Klärung der Vorgänge in der Türkei zu verlangen und konsequent auf der Erfüllung der Kopenhagener Kriterien zu bestehen“. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., stellte 2006 fest, dass sich die Lage der Christen in der Türkei „vom Schlechten zum Schlechteren“ wende.

Zukunft

Im Herbst 1929 äußerte sich Mustafa Kemal Atatürk im Interview mit Emil Ludwig zum Thema Religion wie folgt:

„Sie wundern sich, dass die Moscheen sich so schnell leeren, obwohl sie niemand schließt? Der Türke war von Hause aus kein Muslim, die Hirten kennen nur die Sonne, Wolken und Sterne; […] Der Türke verehrt nichts als die Natur. […] Ich lasse jetzt auch den Koran zum ersten Mal auf Türkisch erscheinen, ferner ein Leben Muhammads übersetzen. Das Volk soll wissen, dass überall ziemlich das Gleiche steht und dass es den Pfaffen nur darauf ankommt zu essen.“

Heute benutzt der aktuelle Staatspräsident ? Recep Tayyip Erdogan die durch die absolute Mehrheit im Parlament erzielte Macht seiner AKP-Partei, um die von Atatürk durchgesetzten Freiheiten schrittweise zurückzunehmen. So wurde der Generalstab entmachtet, der sich als Hüterin der laizistischen Ordnung und als Wahrerin der Prinzipien von Staatsgründer Kemal Atatürk verstanden hat, die eine strikte Trennung von Religion und Staat vorsah und dieser Aufgabe als Regulativ gegenüber den rückwärtsgewandten Religionseiferern auch mehrfach nachgekommen ist.

Erdogan verbat sich jedwede Einmischung in politische Angelegenheiten und postulierte, dass „der Generalstab der Befehlsgewalt des Ministerpräsidenten“ unterstehe, wobei er von der EU aus demokratischen Erwägungen Unterstützung erhielt, ohne daß gleichzeitig ein neues, demokratisch legitimiertes Äquavilent eingerichtet wurde. Unterdessen schreitet die Re-Islamierung der Türkei schrittweise fort, indem beispielsweise zwar das Tragen des Kopftuchs als religiöses Symbol in öffentlichen Einrichtungen (noch) untersagt ist, er aber seine Ehefrau demonstrativ wann auch immer neben sich damit auftreten läßt.Bestritten werden auch vehement die Völkermorde an Minderheiten und deren Versklavungen wie beispielsweise den Armeniern, Aramäern, Bergnestorianer und Griechen.

Im April 1998 wurde Erdogan vom Staatssicherheitsgericht Diyarbakir wegen Missbrauchs der Grundrechte und -freiheiten gemäß Artikel 14 der türkischen Verfassung nach Artikel 312/2 des damaligen türkischen Strafgesetzbuches (Aufstachelung zur Feindschaft auf Grund von Klasse, Rasse, Religion, Sekte oder regionalen Unterschieden) zu zehn Monaten Gefängnis und lebenslangem Politikverbot verurteilt. Anlass war eine Rede bei einer Konferenz in der ostanatolischen Stadt Siirt, in der er aus einem religiösen Gedicht, das Ziya Gökalp zugeschrieben wurde, den Satz zitiert hatte:
„Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“

Insbesondere in Deutschland unterstützt das der Regierung Erdogan unterstellte ‚Präsidium für Religionsangelegenheiten‘ die DITIB (Diyanet Isleri Türk Islam Birligi – ‚Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V‘) mit deutschem Sitz in Köln-Ehrenfeld den Bau von Moscheen, die über die religiöse Schiene als Einflußzentren mit eigenen Versorgungseinrichtungen etc. pp. zum Aufbau einer Parallelgesellschaft desintegrierend wirken.***

Im Gegensatz zu der seit Jahrhunderten befruchtend wirkenden Einwanderung sich integrierender Zuwanderer (wie französische Hugenotten oder polnische Bergarbeiter bis hin zu europäischen ehemaligen Gastarbeitern) bezeichnete Erdogan in einer Rede am 10. Februar in Köln die Assimilation türkischer Einwanderer in Deutschland als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, warb aber für deren „Integration“, worunter er verstand, die Vorteile der deutsche Einrichtungen zu nutzen und gleichzeitig türkische Schulen einzurichten.

** Die Hagia Sophia war seit dem Mittelalter die größte christliche Kirche der Welt. Im Osmanischen Reich wurde sie zur Moschee umfunktioniert und mit Minaretten versehen. Der fortschrittliche Erneuerer der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk machte sie im Rahmen der Trennung von Religion und Staat zum Museum. Sie soll nun unter der wieder rückwärtsgewandten Politik Erdogans wieder zur Moschee umfunktioniert werden.

*** Zu beachten ist auch, daß nach türkischen Recht, aber auch in zahlreichen Ausnahmefällen nach deutschem Recht, eine doppelte Staatsbürgerschaft möglich ist. Kinder behalten grundsätzlich die doppelte Staatsangehörigkeit, wen ein Elternteil die deutsche, der andere die türkische Staatsangehörigkeit besitzen.

Lesenswert:

? Christen in der Türkei

? Hass auf die kleine Herde

? “Es gibt immer noch Schikanen”

Beitrag erstellt unter Verwendung von ? Wikipedia

Advertisements

Kommentare mit [verlinkter] Werbung werden als Spam unterbunden. Das Einkopieren fremder Texte und Verlinkungen ist untersagt.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s